Peanut App auf Modul A wurde ausser Betrieb genommen

Guten Tag. Trotz Urlaub melde ich mich zu Wort.

Peanut wurde nicht gesperrt, sondern ausser Betrieb genommen. Derjenige OM, der dies ins Netz einleitete, ist dafür nicht schuld. Der Wunsch wurde an ihn heran getragen. Der Grund sind die negativen Reaktionen, welche das häufige Benützen der Peanut App hervorgerufen hat. Es intervenierten einige D-STAR Benutzer.
 
Bei mir als Referent für digitale Sprachbetriebsarten sind einige Reklamationen betreffend der App eingegangen. Mir wäre es lieb gewesen, wenn sich die Leute alle öffentlich darüber ausgelassen hätten. Niemand will aber als Buhmann dastehen. Nur wenige langjährige D-STAR Benutzer äussern sich offen zu Peanut. Ich gehöre auch dazu und sage seit Beginn, dass ich nichts davon halte, dass die Peanut QSOs über alle Relais und Hotspots in Österreich übertragen werden.
 
Die negativen Äusserungen beinhalten, dass es durch Peanut immer wieder zu Störungen kommt, weil damit herum teilweise gespielt wird durch drücken der PTT Taste ohne zu wissen, was passiert. Auch ist je nach verwendetem Gerät die Modulation teilweise schlecht.
 
Teilweise wird mit Peanut wirklich gespielt. Einigen App Benutzern scheint das egal zu sein, denn sie können ja einfach die App wieder löschen und haben keine Ausgaben gehabt. Andere, die viel Geld für Funkgeräte ausgegeben haben, vergeht durch Peanut teilweise die Freude an D-STAR und ziehen sich zurück.
 
Was hat das Benutzen einer App zum Funken betrifft, wirft unweigerlich die Frage auf, was das noch mit echtem Amateurfunk zu tun hat. Wieso soll man sich noch ein Funkgerät kaufen? Einige sehen in Peanut auch eine “Keine Kosten entstehen” Lösung. 
 
Funkamateure müssen auch die uns zugewiesenen Frequenzen benützen und nicht noch mehr dafür sorgen, dass Aussendungen über diese Frequenzen weniger werden. Wenn immer mehr per App kommuniziert wird, ist das kontraproduktiv.
 
Das sind die Argumente, die die Leute mir sagen, die Peanut nicht auf Modul A wollen. Eine Aufschaltung von Peanut auf ein anderes Modul wie Z wäre möglich. Diejenigen mit echten Funkgeräten, die mit Peanut Benutzern sprechen wollen,  könnten sich manuell auf dieses Modul verlinken. 
 
Ein Argument, das jeweils für Peanut vorgebracht wird, ist, dass Peanut einfach zu bedienen ist und nicht so kompliziert wie ein echtes D-STAR Funkgerät ist. Es gibt viele Unterstützungen für D-STAR Anwender. Ich beispielsweise mache Workshops, Referate und Youtube Videos zu D-STAR. Ich habe auch Anleitungen zu D-STAR und Hotspots geschrieben und gebe Unterstützung, wenn sie benötigt wird. Meine persönliche Unterstützung beschränkt sich zwar auf Österreich, dennoch finden auch Leute aus Deutschland auf meiner Homepage http://ham-dstar.at Informationen. Wenn man sich mit dem Thema D-STAR beschäftigt und die erwähnten Hilfeleistungen in Anspruch nimmt, klappt es sicher.
 
Ein anderes Argument ist, ohne Peanut kann ich nicht mit meinen Kollegen funken. Doch! Mit einem echten Funkgerät und über ein Relais, welches man problemlos nach Modul A in OE verlinken kann. Wenn kein Relais in der Nähe ist, gibt es für weniger als 100 Euro Hotspots, mit welchen man echten Funkverkehr über Amateurfunkfrequenzen machen kann.
 
In Österreich wird etwa 98 % des D-STAR Verkehrs über die Server XLX022 und XLX232 gemacht. Beide Serverbetreiber möchten auf Modul A keinen App Verkehr haben, würden aber Peanut evtl. auf einem eigenen separaten Modul akzeptieren.
 
Das mit dem Geld… Das ist immer das letzte Argument. Amateurfunk ist halt kein Hobby, das gratis ist.
 
Alle, die Peanut gut finden, können das auf dem Handy installieren und miteinander auf einem Peanut Raum sprechen. Aber alle, die viel Geld in die Infrastruktur und die Netze ausgegeben haben, und fast alles wurde von den Netzbetreibern selber bezahlt und nicht von der Allgemeinheit, müssen jetzt zusehen, wie der bisherige Funkverkehr verloren geht, nur weil es einige gibt, die finden, dass über alle Relais und Hotspot die App QSOs übertragen werden sollen. Wenn jeder nach Lust und Laune und seine eigenen persönlichen Interessen durchboxen will, wird es vielleicht bald weniger oder keine Infrastruktur mehr geben.
 
Zur Aussage, dass man den digitalen Amateursprechfunk sowieso nicht ernst nimmt und als Amateurfunk anschaut, muss entgegen gebracht werden, dass der digitale Sprechamateurfunk dann bitte den Leuten überlassen werden soll, die diesen Teil des Amateurfunkes ernst nehmen und so betreiben wollen, mit echten Funkgeräten. Denn die haben viel Geld in Funkgeräte und in die Netze gesteckt. Man kann doch denen nicht die Freude an D-STAR und den Netzen nehmen, die sie aufgebaut haben. Aber wenn alles gratis sein soll, dann bleibt wirklich noch Zello. Skype und ähnliches übrig. Natürlich wenn man den digitalen Amateurfunk nicht als echten Funk betrachtet. Persönlich bin ich aber froh, dass es viele andere gibt, die das anders sehen.
 
Genau für Antennengeschädigte ist ein Hotspot eine Lösung. Aber wenn es gratis sein muss, geht das bei aller Hilfestellung nicht.
Meine Erläuterungen sind lange geworden. Ich könnte noch viel länger schreiben. Ich gebe auch zu, dass ich persönlich auch gegen Peanut bin und mich deshalb von D-STAR fast komplett zurück gezogen habe. Aber meine persönliche Meinung ist und darf nicht ausschlaggebend sein, muss aber wie die anderen Meinungen auch zählen.
 
Mir ist bewusst, dass meine Stellungnahme nicht allen gefällt. Ich bitte aber trotzdem um Verständnis. Vielleicht ist ja ein kleines Handfunkgerät und ein Hotspot etwas für diejenigen, die bis anhin Peanut benutzten.
 
Die Diskussion ist übrigens aufgrund einer Anfrage entstanden, weil D-STAR, C4FM, DMR IPSC2, DMR Brandmeister und Peanut über diverse Brücken und Schaltungen hätte verbunden werden sollen. 
 
Die Betreiber der Server XLX022 und XLX232 stehen hinter dieser Stellungnahme, die ich als Referent für digitale Sprachbetriebsarten hier veröffentliche.
 
73 Michi OE8VIK (aus dem Urlaub)
Referent für digitale Sprachbetriebsarten beim ÖVSV Dachverband